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2026-08-27 · 7 Min. Lesezeit · Chastity Tracker Team

Version 6: Die Farbe sagt den Zustand

Bis Version 5 standen in den Einstellungen zwei Schalter, die im Grunde niemand brauchte: hell oder dunkel, und dazu eine Farbwelt zur Auswahl. Beides waren Fragen an den Nutzer. Fragen nach einer Vorliebe — einmal beantwortet, danach für immer gleich. Ob gerade verschlossen war oder nicht, war der Oberfläche egal.

Mit Version 6, „Signalfarben", sind beide Schalter verschwunden. Nicht, weil Einstellungen an sich schlecht wären, sondern weil diese hier eine Ressource verbraucht haben, die die App besser gebrauchen kann. Die Farbe ist ab jetzt keine Vorliebe mehr. Sie ist eine Anzeige.

Grün heisst verschlossen, Rosa heisst offen

Die Regel ist so kurz, dass man sie nicht nachschlagen muss:

Alle drei sind dunkle Welten; es geht nicht um hell gegen dunkel, sondern darum, welche der drei gerade gilt. Die Farbe liegt nicht als Punkt in einer Ecke, sondern in der ganzen Fläche: Hintergrund, Flächen, Akzente, Knöpfe. Wer das Telefon aus der Tasche zieht, weiss vor dem ersten gelesenen Wort, woran er ist.

Das ist der eigentliche Gewinn. Ein Status-Text muss gelesen und verstanden werden, eine Fläche wird gesehen. Der Tracker hatte den Zustand immer schon angezeigt — jetzt muss man ihn nicht mehr suchen.

Rosa heisst auch: Reinigungspause

Die Farbe beantwortet genau eine Frage, und zwar die Frage nach dem Jetzt. Sie beantwortet nicht die Frage nach dem Warum. Wer zur Reinigung geöffnet hat, sieht Rosa — auch mitten in einer Kontroll-Anforderung. Wer wegen einer Gesundheits-Pause offen ist, sieht ebenfalls Rosa. Eine Pause mit Erlaubnis ist immer noch eine Öffnung.

Das ist eine bewusste Härte. Es wäre einfach gewesen, für die legitime Pause eine dritte, freundlichere Farbe einzuführen — und genau damit hätte die Farbe ihre Aussagekraft verloren. Eine Anzeige, die zwischen „offen" und „offen, aber es ist in Ordnung" unterscheidet, zeigt nicht mehr den Zustand, sondern eine Bewertung. Der Grund für die Öffnung steht weiterhin im Klartext auf der Karte, samt verbleibender Zeit und dem Knopf zum Wiedereinschliessen. Die Farbe hält sich da heraus.

Die Welt wechselt mitten in der Sitzung

Der Wechsel ist kein Neustart und kein Themenwechsel in den Einstellungen. Er passiert während man hinsieht. Wer aufschliesst und den Eintrag erfasst, sieht die App rosa werden. Wer wieder einschliesst, sieht sie grün werden.

Das war die Stelle, an der aus einer Farbidee ein Feature wurde. Ein Status ändert sich in diesem Werkzeug selten beiläufig — jede Öffnung, jeder Verschluss ist eine bewusste Handlung, oft eine mit Absprache dahinter. Dass die Umgebung diese Handlung mitvollzieht, gibt ihr ein Gewicht, das eine Zeile Text nicht hat. Man teilt der App nicht mehr etwas mit, das sie protokolliert. Man verändert sie.

Indigo: die dritte Welt

Der Keyholder-Bereich ist Indigo, und zwar unabhängig davon, was der eigene Zustand ist. Das löst ein Problem, das vorher ständig auftrat: Wer selbst trägt und Keyholder ist, musste am Inhalt erkennen, in welchem Bereich er sich befindet. Jetzt erkennt er es an der Umgebung.

Innerhalb von Indigo tragen die Zeilen der betreuten Subs den Zustand ihres jeweiligen Trägers als Akzent. Die Keyholderin öffnet die Übersicht und sieht, ohne eine Karte aufzuklappen, wer verschlossen ist und wer nicht. Bei einer Person ist das Komfort. Bei mehreren ist es der Unterschied zwischen einer Liste, die man durchgeht, und einem Bild, das man erfasst.

Ein Schloss, das man an der Form erkennt

Farbe allein wäre zu wenig. Rund acht Prozent der Männer sehen Rot und Grün nicht so, wie diese Zuordnung es voraussetzt, und an einem hellen Tag draussen sieht ohnehin niemand Farbnuancen. Deshalb hat v6 ein eigenes Schloss-Symbolpaar bekommen, das sich in der Form unterscheidet, nicht nur im Ton: geschlossener Bügel gegen offenen Bügel, auf einen Blick auseinanderzuhalten, auch in Graustufen, auch klein, auch schräg von der Seite.

Das ist der unspektakulärste Teil dieses Releases und der, an dem am längsten gezeichnet wurde. Eine Statusanzeige, die nur über die Farbe funktioniert, ist keine Statusanzeige, sondern eine Dekoration mit Ausfallrisiko. Farbe und Form sagen jetzt dasselbe, unabhängig voneinander.

Symbole, die das Gerät meinen

Dazu kommen eigene Symbole für die Trage-Kategorien: Plug, Handschellen, Ring der O, Knebel. Bisher liefen sie unter allgemeinen Platzhaltern — ein Symbol, das alles bedeuten konnte, bedeutete nichts. Wer mehrere Kategorien parallel führt, erkennt in Listen, Kalendern und Kontroll-Anforderungen jetzt am Symbol, worum es geht, statt die Bezeichnung zu lesen.

Weniger Kästen

Die Oberfläche hat gleichzeitig ihre Rahmen verloren. Bisher sass jede Information in einer eigenen Box mit Kante, Schatten und Innenabstand — bei zwei Karten sieht das ordentlich aus, bei zwölf entsteht ein Flickenteppich, in dem alles gleich wichtig aussieht.

v6 stellt die Blöcke stattdessen in ein durchgehendes Raster. Abstände und Ausrichtung ordnen den Inhalt, nicht Umrandungen. Was gerade zählt, steht oben und darf Platz brauchen; was Nachschlagewerk ist, ordnet sich unter. Das Dashboard beantwortet damit weiterhin dieselbe Frage wie vorher — was jetzt zu tun ist — nur ohne dass man dafür durch ein Dutzend Kanten hindurchsehen muss.

Ein Wort pro Sache

Der unsichtbare Teil von v6 ist das Vokabular. Über Jahre gewachsen, hiess dieselbe Sache an drei Stellen unterschiedlich — je nachdem, wann der Bereich entstanden war. Für den, der es gebaut hat, sind das Synonyme. Für den, der es zum ersten Mal sieht, sind es drei verschiedene Dinge.

v6 räumt das auf: ein Begriff pro Sache, in der Oberfläche wie in den Benachrichtigungen. Es ist die Art Änderung, die niemandem auffällt, wenn sie gelingt.

Das Schloss auf dem Sperrbildschirm

Für die native iOS-App gibt es zusätzlich eine Anzeige auf dem Sperrbildschirm: das Schloss, im Zustand und in der Farbe des Trägers. Ein Blick aufs ausgeschaltete Telefon genügt, ohne Entsperren, ohne App-Start.

Zwei ehrliche Einschränkungen dazu. Erstens betrifft das die native App, nicht die installierte Web-App — die PWA bleibt der reguläre Weg auf jedem Gerät und bekommt den Sperrbildschirm nicht. Zweitens werden die nativen Apps wegen der Inhalte nicht über die Stores verteilt: iOS läuft als Testversion, Android als Installationsdatei, beides auf Anfrage über den Feedback-Knopf dieser Seite. Wer das nicht will, verliert nichts ausser dieser einen Anzeige.

Was die Farbe nicht kann

Eine Oberfläche, die den Zustand über die ganze Fläche verkündet, ist auch für den lesbar, der nur zufällig auf den Bildschirm schaut. Das ist der Preis dafür, dass sie ohne Lesen funktioniert, und es lohnt sich, ihn bewusst zu bezahlen. Wer die App im Zug öffnet, sollte wissen, dass die Fläche etwas sagt. Sie sagt es nicht in Worten, und ohne die Regel zu kennen, ist Rosa einfach eine Farbe — aber sie ist da.

Und die Farbe zeigt, was erfasst ist, nicht was ist. Der Tracker dokumentiert, er misst nicht. Wer eine Öffnung nicht einträgt, sieht weiterhin Grün — die Anzeige ist dann nicht falsch, sie ist genau so richtig wie die Eingabe. Das ändert v6 nicht und soll es auch nicht: Verbindlichkeit entsteht hier nicht aus technischem Zwang, sondern daraus, dass zwei Erwachsene sich auf etwas geeinigt haben und beide sehen, was gilt. v6 macht nur den zweiten Teil davon schneller.

Wie v6 zu dir kommt

Wie Version 6 auf deine Instanz kommt, was sonst noch darin steckt und was das Portal dabei ausdrücklich nicht ist, steht in der Release-Ankündigung.

Eine vollständige Übersicht der Funktionen steht auf der Features-Seite.